Deponia Doomsday – Weltuntergangs Wiederverwertung

Deponia-Doomsday - Kopie

Letzte Woche hat die hamburger Entwicklerschmiede Daedelic überraschend einen neuen Teil der Adventure Reihe Deponia veröffentlicht. Doch ist  Deponia Doomsday nur der Kompost der Vorgänger oder wächst aus dessen Überresten ein eigenes cooles Adventure Erlebnis heran? Wir werden sehen.

Schon die Gallier aus Asterix und Obelix fürchteten sich davor, dass ihnen eines Tages der Himmel auf den Kopf fallen könnte. Und nun ja in Deponia Doomsday passiert genau das, denn die himmelsgleiche Wolkenstadt Elysium stürzt auf den namensgebenden Planeten Deponia herunter und stürzt die Welt in einen endlosen Winter.

Doch das ist nur der Anfang der abgefahrenen Reise, denn ähnlich der Comicreihe aus Belgien wimmelt es auch im neuesten Adventure Ableger nur so von skurillen Charaktere, wahnwitzigen Situationen und verschiedenen Bedrohungen. Es ist also erneut an Serienheld Rufus den Müll vom Brauchbaren zu trennen und seine Heimatwelt zu retten. Wie das ganze funktionieren soll? Natürlich per (damm damm damm damm) Zeitreise!

Nützliche Neuerungen

Dabei treffen wir in Form des Spielers gleich zu Beginn auf eine coole Neuerung, Drucksituationen. An manchen Stellen müssen wir nämlich unter Zeitdruck agieren und mal Quicktime Events absolvieren oder bestimmte Aufgaben vor Ende des Countdowns fertigstellen. Das klingt nicht nur so als wäre es von Adventures Marke Telltale inspiriert, sondern fühlt sich auch fast so an.

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Doch Entwarnung: Natürlich ist auch Deponia Doomsday kein Bierernstes aufs simpelste reduzierte Point’n’Click Abenteuer mit effektiven Schockmomenten und beinharten Entscheidungen, sondern strotzt genau wie seine Vorgänger vor Witz, Kreativität, Farbenfreude, Kniffligkeit und guter Laune.

Hin und her

Neben der bekannten Links-Klick interagieren, Rechts-Klick ansehen, Mausrad Inventar aufrufen Steuerung, bleibt auch bei der optischen Präsentation alles beim Alten. So durchstreifen wir viele sehr schöne Orte, die allesamt in höchster Detailverliebtheit von Hand gezeichnet wurden. Auch die Charaktere sind wieder echte Originale und man erfährt sogar auf Grund der Zeitreise Thematik, wie diese sich zum Teil entwickeln, sehr cool.

Natürlich treffen wir auch wieder auf bekannte Fratzen, wie Lotti, Wenzel und Toni. Insgesamt spielt und fühlt sich Deponia Doomsday dabei sehr rund an und geizt auch nicht mit Anspielungen auf die älteren Teile und andere Kulturprodukte. Besonders witzig ist z.B. der Einstieg in Kuvaq, wo die Bevölkerung aus Rufus‘ unzähligen Missgeschicken gelernt hat und in seiner Gegenwart alle möglichen Brandquellen, wie Lampen oder Stromgeneratoren sofort abschaltet, super!

Farbenfrohe Flecken

In Sachen Kreativität fehlt es dem Spiel auch bei Weitem nicht. Besonders gut gelungen sind vor allem die Rätseln, die Kernkompetenz von klassischen Point’n’Klick Adventuren. Die zum Teil vierdimensionalen Kopfnüsse gehen diesmal nämlich deutlich logischer von der Hand als noch in den Vorgängern ohne dabei jedoch etwas von ihrem Anspruch zu verlieren. Dazu kommen noch die behutsam eingestreuten Minispiele, die immer für einen Gag gut sind und voila Deponia bleibt sich treu!

Wer darauf achtet, dem fallen besonders die Einflüsse aus der TV-Comic-Serie Rick und Morty auf und wer genau hinhört, wird auch einige bekannte Stimmen aus dem deutschen Spielejournalismus wiedererkennen, Uke Bosse hust hust.

Rostige Reste

Dennoch bleibt grade die Story von Deponia Doomsday bei dem ganzen Zeitreise Wirr-Warr deutlich auf der Strecke. Schon bald ertappen wir uns dabei nur noch auf die coolen Rätsel zu reagieren und die prächtige Stimmung auf zu saugen, denn was, wie oder warum eigentlich um uns herum passiert lässt sich aufgrund des Szenarios kaum wirklich verstehen. Durch die vielen Zeitsprünge und in teils verschiedene Dimensionen, fehlt zudem ein klar nachvollziehbares Ziel auf das man hinarbeitet und es gibt Unmengen von Logiklöchern.

Deponia Doomsday Releasetrailer GER

Natürlich steht hinter dem ganzen unter anderem die Rettung Elysiums vor dem Absturz auf den Planeten. Nachdem man zu verschieden Zeitpunkten mal auf einer intakten oder mal auf einer zerstörten Version davon landet, revidiert sich die Wichtigkeit einer Rettung Elysiums ungewollt immer weiter.

Scheinbar ist es in der Gesamtbetrachtung auch egal ob wir jetzt die Rätsel lösen oder nicht, denn deus ex machina, die Spiellogik bringt uns früher oder später sowieso wieder an einen komplett anderen Ort zu einer komplett anderen Zeit, wo unsere bisherigen Taten durch neue Einmischungen nichtig gemacht bzw. in eine komplett andere Richtung gelenkt werden. Dadurch spielen alle vorherige Aktionen im Prinzip kaum eine tragende Rolle. Wieso dann nicht gleich diese Situationen überspringen?

Rufus Verlangen in den Vorgänger Spielen Elysium zu erreichen wird ebenfalls dezent ad absurdum geführt. Denn mit Hilfe einer Zeitmaschine scheint es recht simple zu sein Elysium zu erreichen, was für unseren Helden jedoch einer Sisyphus gleichkommt. Im Verlauf des Adventures trifft man auf eine ganze Handvoll Charaktere die sogar verschiedene Modelle von Zeitmaschinen besitzen. Warum also nicht eine stibitzen, zu einem Zeitpunkt in der entfernten Vergangenheit reisen an dem Elysium sicher ist und sein Lebtag dort verbringen?

Fazit
Alles in allem ist Deponia Doomsday eine sehr gute Fortsetzung. Wenn man es mit der Handlung nicht so genau nimmt und eher Fan der Spielmechanik und Atmosphäre der Vorgänger war, ist man hier richtig bedient. Mehrdimensionale Rätsel findet man in dieser Güteklasse kaum irgendwo anders und auch das Wiedersehen mit bekannten Charakteren führt zu wohlig warmen Gefühlen im Bauch. Denn nach drei Abenteuern ist einem allem voran Tollpatsch Rufus aufgrund seiner sympathischen Trotelligkeit richtig ans Herz gewachsen. Nach gut 10 – 15 Stunden ist man, je nach Adventure Erfahrung und Spielfluss schließlich am ziemlich enttäuschenden Ende angelangt, wartet gespannt den Ablauf der Entwicklerauflistung ab und hofft darauf, durch die Grundthematik der Mehrdimensionalität bestärkt, ganz am Ende noch ein weiteres Mal in den Verlauf des Spiels Eingreifen zu können. Leider vergebens. Trotzdem ist der neue Deponia Teil eine würdige Fortsetzung der Reihe, die mit einigen neuen Spielmechaniken Punkten kann, einige neue Makel in sich birgt und die Stärken und Schwächen der Vorgänger zu einem gewissen Grad erbt. Um es kurz zusammenzufassen: Deponia Doomsday macht wieder einen Haufen Spaß!

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About: Totte

Totte

Videospiele sind einzigartige soziale und kulturelle Interaktionsmöglichkeiten. Daher hab ich seit den 90ern alles gezockt was ich in die Hände bekam. Egal ob GameBoy, PlayStation, PC, Xbox One. Kreativität, Fantasie und Spielspass bevorzugen keine bestimmte Konsole und lassen sich in allen Genres finden.

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